Chronik - KG Rot-Weiß Wrexen e.V.

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Chronik

Es ist schon ein eigentümliches Völkchen, das hier im nördlichsten Zipfel des Ferienlandes Waldeck am Treffpunkt der Diemel mit der Orpe und der Labicke wohnt. Immer fröhlich und zu allerlei Scherzen aufgelegt, ist es als leichtlebig und trinkfreudig in der Umgebung bekannt, sodass man die Bezeichnung „Klein Paris“ erfand. Woher diese Leichtlebigkeit stammt, kann keiner so richtig erklären, auf jeden Fall war Wrexen schon seit altersher ein Ort der Begegnung. Die alten Germanen hatten ihre Bärenfälle auf den Höhen, die Wrexen umgeben, ausgebreitet. Die Römer zogen singend durch die Gegend, um weinend nach der Schlacht im Teutoburger Wald zurückzukehren. Ja selbst Karl der Große konnte der Anziehungskraft dieser Landschaft nicht widerstehen und gab seine Visitenkarte beim Kreuzzug gegen die Sachsen hier ab.

Vielleicht haben diese geschichtlichen Ereignisse, die kriegerischen Zerstörungen und Plünderungen und auch die unberechenbare Diemel, die öfters den Ort in Mitleidenschaft zog, hier ein Volk geprägt, dass das Leben nicht mehr so tierisch ernst nahm und dem Dasein viele schöne Stunden abgewinnen wollte. So lange die ältere Generation zurück denken kann, hat es in Wrexen zur Fastnachstzeit immer einen entsprechenden Trubel gegeben.

Nach dem letzen Weltkrieg, als das Leben wieder zu pulsieren begann, vor allem das Vereinsleben aufblühte, nahm das Karnevalstreiben jährlich zu. Besonders am Wrexer Nationalfeiertag, Faschingsdienstag, wurden Fastnachtsumzüge gestartet, die viele Narren aus nah und fern in die Diemelmetropole lockten. Auch dieser Brauch zeugt von der besonderen, närrischen Einstellung der Wrexer Bevölkerung, wenn überall in deutschen Landen nach dem tollen Wochenende die Müdigkeit einkehrt, dann regt sich hier groß und klein, um beim großen Volksfest mitzumachen.

Die Organisation der Umzüge lag in den bewährten Händen des Gemeinderates, der damals noch genügend Zeit für diese närrische Abwechslung vom Alltag hatte. Durch die Tatsache, dass dieser kleine Ort lebenswerte Voraussetzungen und gute Arbeitsmöglichkeiten bot, wuchs die Gemeinde Wrexen von Jahr zu Jahr und damit auch die Arbeit der Verantwortlichen. Im Jahr 1956 hatten einige närrische Vorreiter, die schon jahrelang in irgendeiner Form am Wrexer Karnevalsgeschehen gestaltend teilgenommen hatten, die Idee, den stressgeplagten Gemeindevätern diese Arbeit abzunehmen und durch die Gründung einer Karnevals-Gesellschaft die Tradition fortzuführen und durch neue Initiativen zu beleben. Am 22.02.1956 traf sich eine kleine Schar vom Fastnacht-Bazillus befallener Männer in der Berggaststätte „Texas“ und gründete die Karnevals-Gesellschaft Rot-Weiss Wrexen. Die Gründer waren Franz Kriemer, Rolf Kruse, August Köcher, Karl Gottesmann, August Gottesmann, Günter Gemmeker, Emil Lißmann und Hermann Oderwald. Das Vereins-Motto lautete: “Den Menschen, die auf dieser Welt nicht rosig leben, wollen wir neue Kraft durch Frohsinn geben.“

Mit Karnevals-Sitzungen auf den Sälen der Gastwirtschaften Scheffer und Kussmann wurde das Narrenschiff in Gang gebracht. Bereits ein Jahr später traute man sich mit dieser Veranstaltung in die alte Festhalle, weil der Saal den Zustrom närrischer Zuschauer nicht mehr fasste. Ein Wagnis – das sich jedoch bezahlt machte, denn 700 Gäste kamen zur großen Fremdensitzung unter dem Motto: „Am Diemelstrand ist alles außer Rand und Band“. Erstmals tanzte die neu gegründete Prinzengarde unter der Leitung von Berti Rieser. 1957/58 wurde auch das erste Prinzenpaar proklamiert. Es waren Wilma von Thenen (verheiratete Lamotte) und Rolf Okel.

Die Umzüge am Faschingsdienstag boten großartig gestaltete Wagen und Gruppen, denn an Themen fehlte es zu dieser Zeit nicht. Das Uranfieber grassierte damals in Wrexen, die ersten Sputniks umkreisten die Ede und Erhardts Wirtschaftswunder bot genügend Stoff neben dem örtlichen Geschehen zur Gestaltung des Umzuges. Das 10jährige Bestehen wurde 1966 mit einer tollen Prunksitzung unter Präsident Karl Gottesmann gefeiert, dabei tanzte neben der Prinzengarde eine neue Tanzgruppe, „Das Hausfrauenballett“, alles Frauen mit viel Ehrgeiz, die aus der Prinzengarde kamen. Der Fastnachtsumzug im Jubiläumsjahr war mit 35 Wagen, vielen Gruppen und Einzelmasken besonders prächtig gestaltet und wurde vom Hessischen Fernsehen life übertragen. Es war ein stolzes Jahr in der Geschichte der Karnevals-Gesellschaft.

Neben den vielen Höhepunkten im Wrexener Karneval gab es auch einige Rückschläge, hervorgerufen durch den Rückzug verdienter Kräfte, die ersetzt werden mussten. In einer Gemeinde mit soviel Temperament finden sich immer Menschen, die närrisches Blut in den Adern haben und die Karnevalstradition hochhalten. Neuen Auftrieb erhielten im November 1978 die Wrexener Karnevalsveranstaltungen durch die Einweihung der Diemelgoldhalle (Mehrzweckhalle) mit der komfortableren Ausstattung und der zentralen Beheizung. Dieser Komfort musste jedoch von der Karnevals-Gesellschaft teuer bezahlt werden, weil in dieser Halle nur eine entsprechende Stimmung aufkommen kann, wenn eine besondere Dekoration vorhanden ist und die Lautsprecher- und Beleuchtungsanlagen den Ausmaßen gerecht werden. Dies alles konnte dank der Einsatzfreude der wenigen Mitglieder beschafft werden.

Neben den regelmäßigen Fremdensitzungen und den Umzügen am Faschingsdienstag wurde ab 1978, jeweils im Sommer, im Freizeitpark am Steinberg eine „Nacht der 1000 Lichter“ veranstaltet. Dieses Feuerwerk der vielen bunten Lichterketten, Raketen, Lampions und Scheinwerfer mit tollen Musikkapellen ist Anziehungspunkt von tausenden Besuchern aus nah und fern. In den letzten Jahren wurde sie nicht mehr jährlich veranstaltet, weil der Aufwand sehr groß ist und die Veranstaltung nur bei trockener Witterung durchgeführt werden kann. Zuletzt konnten wir im Jahr 2002 die Nacht der 1000 Lichter feiern.

Im Februar 1981 wurde das 25-jährige Vereinsjubiläum im Gründungslokal, in der ehemaligen „Waldgaststätte Texas“ gebührend gefeiert. Was 1956 mit nur wenigen Aktiven begann, hat sich heute zu Großveranstaltungen gemausert. Mit 200 aktiven und 30 passiven Mitgliedern hat sich der Verein unter Präsident Ulrich Koke in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. Auch an den Nachwuchs wurde gedacht. So wird seit 1984 in jeder Session auch eine Sitzung von Kindern für Kinder aufgeführt – genannt „Jugend in der Bütt“. Diese Veranstaltung erfreut sich großer Beliebtheit, sowohl bei den kleinen Narren als auch bei Eltern, Großeltern und weiteren Zuschauern. Durch sie hoffen wir, dass der Verein auch in Zukunft noch viel Frohsinn verbreiten kann, zum Wohle des Vereins und unserer Dorfgemeinschaft in Wrexen.

Aus Anlass des 40. Geburtstages der KG versammelten sich alle Prinzenpaare in der Karnevalssitzung auf der Bühne. Im Karnevalsumzug fuhren die Tollitäten in einem eigenen Prunkwagen mit. Sie scharten sich um die Organisatoren Katharina und Wilhelm Bode, das Prinzenpaar von 1988/89.

Ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum konnte auf der Karnevalssitzung 2004 die Gruppe „Jungs vom Biggenbusch“ feiern. Bei der Geburt dieser Formation hat unser unvergessener Ehrenpräsident Franz Kriemer mitgeholfen. Die Gruppe begeisterte und erheiterte das Publikum sowohl mit Tänzen als auch mit Showeinlagen.

Nach 49 Jahren Festumzug am Karnevalsdienstag unter der Organisation der Karnevals-Gesellschaft musste eine andere Lösung gefunden werden. Der zunehmende Schwerlastverkehr zu den Papierfabriken führte während des Umzugs zu immer längeren Staus auf den Zufahrtstraßen nach Wrexen. Zudem fiel es immer schwerer, für unseren Umzug eine geeignete musikalische Begleitung in Form von Fanfaren- und Spielmannszügen zu verpflichten. Aus diesen Gründen wurde der Karnevalsumzug schweren Herzens vom Veilchendienstag auf den Karnevalssamstag, der traditionell dem Maskenball vorbehalten war, verlegt.

Im Jahr 2009 feierte die Kindersitzung „Jugend in der Bütt“ ihr 25-jähriges Jubiläum. Das Kinderprinzenpaar Franziska I. Gottesmann und Pascal II. Mösta begrüßten eine fröhliche Schar von kleinen Narren, die mit Tänzen und Büttenreden für Beifall sorgten.

Erstmals wurde am 21.02.2009 der traditionelle Karnevalsumzug als „stehender Umzug“ durchgeführt. Die Wagen und Fußgruppen präsentierten sich auf der bewährten Zugstrecke von der Schulstrasse an Kussmanns vorbei, zurück über die Hauptstraße und sammelten sich auf dem Klapp. Hier hatten die Zuschauer die Gelegenheiten, Wagen und Gruppen aus nächster Nähe zu betrachten und eine halbe Stunde ausgelassen mit den Zugteilnehmern zu feiern.

Möge es der Karnevals-Gesellschaft Rot-Weiss Wrexen noch viel Jahre gelingen, den traditionellen Wrexer Karneval zu weiteren Höhepunkten zu führen, getreu dem Motto:

Nur der Mensch ist glücklich dran, der andern Freude bringen kann!

Wrexen Helau!

 
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